Der Biographische Fragebogen (Version für Fortgeschrittene) Drucken

Die Grundidee des Biographischen Fragebogens ist, auf der Basis von vergangenem Verhalten Zukünftiges vorherzusagen. In der Regel steht der Zusammenhang mit Berufserfolgskriterien im Vordergrund. Bereits zu Beginn des 20 Jahrhunderts wurde der Biographische Fragebogen zur Personalauswahl in Versicherungsunternehmen eingesetzt (siehe hierzu Stehle, 1990) und fand ab etwa den 1950er Jahren seine Ausbreitung in verschiedenste Bereiche wie, z.B. Militär, Industrie, Forschung & Entwicklung, Führungskräftepotentialdiagnose und weitere (Schuler 2006).

Obwohl es teilweise kontroverse Meinungen darüber gibt, was ein sogenanntes „Biographisches Item“ ausmacht, repräsentiert die Vergangenheits-Orientierung ein generelles, übergeordnetes Merkmal (Mael, 1991). So würde man beispielsweise statt „Interessieren Sie sich für das Thema XY?“ fragen: „Wie viele Bücher zum Thema XY haben Sie in den vergangenen 2 Jahren gelesen?“ Derartige Fragen sind external, historisch und überprüfbar – Eigenschaften, durch die die sogenannte „Psychometrische Qualität“ eines Instruments steigt (Schuler, 2006). Diese setzt sich zusammen aus den Kennwerten der Objektivität, Reliabilität und Validität.
Zur Konstruktion eines biograhischen Fragebogens lassen sich vier verschiedene Ansätze unterscheiden: neben dem induktiven, dem deduktiven und dem subgrouping- Ansatz wird dabei der empirische Ansatz am häufigsten verwendet. Die Ansätze unterscheiden sich dabei vor allem in der Vorgehensweise bei der Itemgenerierung und –selektion, die entweder theorie- typen- oder rein empirisch geleitet ist. (s.a. Schuler, 2006) Die Konstruktion eines Biographischen Fragebogens nach dem empirischen Ansatz ist technisch anspruchsvoll und zeitaufwendig: nach einer Phase der Datensammlung und -aufbereitung werden die einzelnen Fragen anhand ihrer empirisch ermittelten Validität gegenüber einem für den jeweiligen Zweck ausgewählten Außenkriterium selektiert und gewichtet. Dafür wird eine sogenannte „Key-Stichprobe“ von mehreren Hundert Personen benötigt (Schuler, 1990), die sich in ihren Ausprägungen auf dem zu prognostizierenden Kriterium deutlich unterscheiden. Die aus dieser Prozedur resultierenden Items gehen dann mit ihrem jeweiligen Gewicht in die entsprechenden Skalen ein (Itemschlüssel). Zur Überprüfung der Validität des Instrumentes wird anhand einer zweiten Stichprobe geprüft, wie hoch der Zusammenhang zwischen dem Gesamtskalenwert einer Person und dem Prognosekriterium ausfällt. Diese Kreuzvalidierung erlaubt dann eine methodisch abgesicherte Aussage über die Güte des entwickelten Verfahrens.
Obwohl Biographische Fragebögen aufgrund des hohen Zeit- und Personalaufwands bei der Konstruktion im Vergleich zu anderen Verfahren eher selten eingesetzt werden, zeigen Forschungsarbeiten, dass sie gut akzeptiert (Marcus, 1999) und geeignet sind, um Berufserfolg allgemein vorherzusagen (Schmidt & Hunter, 2000).

Das psychologische Grundaxiom, dass sich zukünftiges Verhalten am besten aus Vergangenem vorhersagen lässt, gilt, weil die Biographie eines Menschen nicht nur durch zufällige Einflüsse bestimmt ist, sondern selbst gewählte Elemente enthält, durch die sie einzigartig und individuell wird. Auf diese Weise entsteht aus Biographie ein Personenmerkmal, das sich untersuchen lässt und Vorhersagen ermöglicht. In der Praxis charakterisiert sich der Biographische Fragebogen als ökonomisches Instrument, das sich durch seine Einfachheit in Handhabung und Auswertung auch dem Praktiker empfiehlt.

 
German

Kurzprofil

Unternehmerin:
Ute Müller-Flemming
 
Ute Müller-Flemming
 
"Für mich kommt nur die Selbstständigkeit in Frage, weil ich kreativ, innovativ und unangepasst bin."
 
 

Meinung gefragt:

Frauen, die Unternehmen gründen, sind...
 
© 2018 Ladies First! Women way for Entrepreneurship.